Er schwimmt auf keiner Modewelle, sondern entwickelt eine eigene Haltung,
eine eigene Handschrift, in einem langen Prozess und von Grund auf herausgebildet: 1965 in Greifswald geboren,
lernt Stephan Voigtländer zunächst den Beruf des Holzfacharbeiters mit Abitur, arbeitet als Drechsler,
dann als Restaurator am Kulturhistorischen Museum in Prenzlau. Er wird Modellbauer bei der DEWAG Leipzig,
beginnt ein Design-Studium an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle Burg Giebichenstein,
lernt Steinmetz und studiert schließlich ab 1992 Bildhauerei — wieder an der Burg Giebichenstein,
nun jedoch Hochschule für Kunst und Design, bei Prof. Bernd Göbel, von 1998—2000 als dessen Meisterschüler.
Seit 2007 hat Stephan Voigtländer neben seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit einen Lehrauftrag
an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Er arbeitet im kleinen wie im großen Format, gestaltet Medaillen und öffentliche Plätze,
gewinnt dabei Wettbewerbe und wird von Museen angekauft. Er erhält ein Stipendium der Gesellschaft
für Medaillenkunst in Den Haag und wird 1999 mit dem Ruth-Leibnitz-Preis der Neuen Sächsischen Galerie
Chemnitz ausgezeichnet.
Stephan Voigtländer beherrscht Holz und Stein — nimmt also weg, um etwas zu schaffen,
gießt manches in Aluminium oder Bronze, setzt vollkommen auf das Plastische und verzichtet somit auf Farbe.
Seit letztem Jahr greift er auch zum Zeitungspapier: sucht Artikel bewusst nach Inhalten aus,
schreckt hierbei vor Farbe nicht zurück und modelliert die Figurengruppe „Autorengespräch mit Bäuerin“
als Reaktion auf die sich unverschämt aufdrängenden und wichtig machenden Talk-Shows im Fernsehen:
Polittalk. Promitalk. Hausfrauentalk. Es geht nur nicht um uns selbst.
Ebenso sein neustes Werk „Mach das Fenster zu“ als Kritik an den allgegenwärtigen Medien mit ihrem übermächtigen
Einfluss auf öffentliches wie persönliches Denken und Fühlen, auf Gesundheitsbewusstsein und Modegeschmack,
sogar auf das Abendessen, bei dem es dann nur noch Tiefkühlpizza gibt, damit man den ganzen Quatsch nicht verpasst:
Großklappen mit Krawatten verziert, in Sprechblasen redend, auf Plüschsofas beim Wortwechsel —
oder Wortgefecht? Wortgewalt?
Das Studio voller Wortfetzen wortgewandter Wortverdreher.
Wer wird Wortführer?
Es geht um das größte Mundwerk. Und wer mundfaul ist, verdirbt die Quoten.
Was für eine Zeit! Lebenszeit! Und keine Zeit zum Leben! Dafür Beschleunigung! Unaufhaltsam rückt sie vor,
die Masse ohne Substanz und Inhalt, quillt aus allen Löchern, ersetzt Gliedmaßen und Gehirn.
Was für eine Zeit! Lebenszeit! Und keine Zeit zum Leben! Dafür Beschleunigung! Unaufhaltsam rückt sie vor,
die Masse ohne Substanz und Inhalt, quillt aus allen Löchern, ersetzt Gliedmaßen und Gehirn.
„Motorbrain“ als Titel der Ausstellung. Aber was hat das alles mit Christa Wolf zu tun?
Vielleicht hilft ein Brainstorming …